| Die Geschichte des Vesuvs |
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| Geschrieben von: Administrator |
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Die eigentliche Geschichte des Vesuv beginnt allerdings mit einem präzisen Datum, dem 24. August 79 n. Christi Geburt. Dieser Ausbruch ist die älteste durch Augenzeugen dokumentierte Naturkatastrophe der Geschichte. Der faszinierende Vesuv fügt sich ein in das Bild der Campania felix, des glücklichen Kampaniens. An seinen fruchtbaren Hängen entstehen blühende und moderne Städte: Baiae, Puteoli, Neapolis, Herculanum, Oplontis, Pompeia, Stabiae, Surrentum sowie viele weitere Villen und typische römische Landhäuser. Innerhalb weniger Stunden wurde die blühende Landschaft am Golf von Neapel unter einer Masse aus Asche, bimsstein und Schlamm begraben. Pompeji, Herculaneum und Stabiae sowie viele Villen und Landhäuser wurden vollkommen zerstört oder vom Auswurf verschlungen. Die Chronologie der Ereignisse ist inzwischen recht genau rekonstruirt worden. Gegen Mittag des 24. August hatte das aufsteigende Magma die obere Erdkruste erreicht. Der Kontakt der eingeschlossenen Gase mit dem Grundwasser bewirkte explosive Reaktionen: Der Pfropf des Förderschlots wird in die Luft gesprengt und die explosive Wolke aus Gas, Asche und und anderen Auswurfsmaterialien steigt etwa 30 Kilometer in die Höhe, laut Plinius dem jüngeren in “Gestalt einer Pinie aehnlich”. Die Wolke verfinstert den Himmel, so das es nach wenigen Stunden (also am Nachmittag) tiefe Nacht wird. Unterirdische Detonationen erschüttern die Erde, lassen die Gebäude schwanken und noch am 30 Kilometer entferntem Kap Misenum die Wagen auf ebenem Boden hin- und herrollen. Am folgenden Tag berichtet Plinius der Jüngere von einem weiteren phänomen: “Wir sahen, wie das Meer in sich selber aufgesogen und durch das Beben der Erde gleichsam zurückgetrieben wurde. Jedenfalls hatte sich der Strand vorgeschoben und hielt viele Meerestiere auf dem trockenen Sand fest”. Am 16. Dezember 1631 erweckte der Vesuv erneut und begann wieder zu brennen. Die Eruption war nach dem Ausbruch des Jahres 79 die heftigste und forderte mehrere tausend Opfer. Allerdings treffen diese Ereignisse auf unterschiedliche Umstände. Neapel hatte sich langsam zu einer Metropole entwickelt, nach Paris und London mit 300.000 die drittgrösste Europas. Neapel war die Residenz eines spanischen Vizekönigs. Napoli, la nobile, “die edle” wurde sie in dieser Zeit genannt, Anziehungspunkt für Feudalherren und und Latifundienbesitzer. Es ist die Zeit der Gegenreformation und der neuen Orden, in Neapel zählt man nicht weniger als 304 Kirchen und 144 Klöstern mit fast 5000 Geistlichen. Auch der Ausbruch des Jahres 1631 hatte sich angekündigt. Schon im Juli erschütterten Erdbeben die Gegend. Ende November bemerkten Hirten, dass sich der Boden des Kraters bis zum oberen Rand des Kegels angehoben hatte. Einige Brunnen waren ausgetrocknet, in anderen hatte sich der Wasserspiegel erhöht. In der Nacht vom 15. Auf den 16. Dezember erschütterten dann starke Donnerschläge und ein erneutes Erdbeben die Gegend, gegen Morgen entluden sich die angestauten magmatischen Massen in einer gewaltigen Explosion. Der grosse Kegel des Berges wurde in die Luft gesprengt, Gas, Asche, Schlacken und Steine herausgeschleudert. Eine plinianische Rauchsäule stieg auf und verfinsterte die Gegend. Gegen Mittag lag Neapel im Dunkeln, heftige elektrische Entladungen erhellten blitzartig die Gegend, begleitet vom beständigen Dröhnen der Erde. An verschiedenen Stellen riss der Vesuv auf, aus seinen Flanken traten Lavaströme und drangen bis ins Meer vor. Am Vormittag des 17. Dezember zog sich dann erneut das Meer für 4 Stunden zurück und versetzte die Bevölkerung erneut in Schrecken. Die Kirchen in Neapel sind überfüllt, in den Beichtstühlen ist Tag und Nacht kein Platz mehr zu bekommen; in Angst, ohne die Absolution sterben zu müssen, bekennen die Menschen daher mit lauter Stimme ihre Sünden, und der Erzbischof weist die Beichtiger an, auch in schweren Fällen die Absolution zu erteilen. Bereits in der Zeit um 1700 nehmen auch die aktuellen Italien-Reisebeschreibungen den Vesuv in die Liste der lokalen Sehenswürdigkeiten auf. Neapel war die letzte und südlichste Etappe der Grand Tour, in der Regel hielt man sich dort einige Wochen auf, um dann wieder heimzukehren. Und nicht nur für nordeuropäische Reisende gewinnt die Gegend um Portici, Resina und Torre del Greco wegen des “feurigen berges” zunehmend an Reiz. Im 18. Jahrhundert entstehen an der Küste zwischen Neapel und Castellamare 121 prächtige Villen und so nannte man die Gegend “il miglio d’oro”, die goldene Meile. Der Bau einer dieser Villen, der des österreichischen offiziers d’Elbouef, sollte dann in Portici Auslöser eines weltgeschichtlichen Ereignisses werden: der Entdeckung von Herculaneum. Der letzte Ausbruch des Vesuv fand auf einem Terrain statt, das katastrophisch in einem doppelten Sinne war: Im Jahre 1944 während des zweiten Weltkriegs. Es ist der letzte grosse Ausbruch, der eine zwanzig jährige eruptive Phase abschliesst. Am 18. März 1944 stürzt der kleine Krater im Inneren des Kegels zusammen, explosive Auswürfe von Steinen und Lapilli folgen, eine gewaltige schwarze Wolke legt sich über die Gegend. Das alliierte Flugfeld bei Terzigno wird in den darauffolgenden Tagen von Lavaströmen verwüstet und zahlreiche durch niederschlagende Steine Flugzeuge vernichtet. In Neapel und bis weit an den Golf von Salerno ist es neben dem Lapillihagel vor allem der dichte heisse Aschregen, der das Land verfinstert und Panik auslöst. Auch das Meer ist mit Lapilli übersät, man sieht nichts als eine harte, fahle Kruste voll mit Löchern, die einer Bluterkrankung ähnelt. Der Vesuv hat seit dem letzten Ausbruch von 1944 keine vulkanischen Aktivitäten mehr gezeigt – abgesehen von einigen Fumarolenbildungen im Krater. Dennoch ist er kein erloschener Vulkan. Und, je länger eine Ruhepause dauert, um so heftiger setzt oft eine neue vulkanische Aktivität ein. Rund um den Vesuv leben heute circa drei Millionen Menschen und die Infrastruktur ist schlecht entwickelt. Wann es den nächsten Ausbruch geben wird, kann man nicht voraussehen, die Natur hat eine eigene Zeitrechnung… |
Der Vesuv

In einer Region gelegen, die seit der Antike zu den schönsten Gegenden der Erde gezählt wird, bewirkt der Vesuv schon seit jeher Bewunderung, Reiz, Charme und Angst. Seit 1944 ruht der Vesuv nun friedlich in einer der dicht besiedelsten Provinzen der Welt, doch innerlich brodelt er wie jeher weiter.