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“Ja! Ich weiss, woher ich stamme! Ungesaettigt gleich der Flamme Gluehe und verzehr ich mich. Licht wird alles was ich fasse, Kohle alles was ich lasse: Flamme bin ich sicherlich.” F.W. Nietzsche 1877

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Senecas Einfluss auf das römische Imperium PDF Drucken
Geschrieben von: Administrator   

Auch ein älterer Zeitgenosse des Plinius, der Philosoph Seneca, widmet der Frage nach den Ursachen von Erdbeben seine Aufmerksamkeit. Dabei geht es ihm in erster Linie aber nicht in erster Linie um das Geschehen selbst, als um die Frage, wie sich der Mensch im Angesicht solcher Naturkatastrophen zu verhalten habe und was sie ihn lehrten. Denn der Grund jeder Furcht liege doch in nichts anderem als im Unwissen. Der Philosoph vermag keine Wunder zu tun, aber er kann dem Betroffenen zur richtigen Einstellung gegenüber dem Leben verhelfen, und damit wird dieser auch mit seiner speziellen Lebenssituation besser umgehen können. Erkenntnis der Natur und ihrer Regeln seien Voraussetzund der vita beata , dem glücklichen Leben. Das lehrte besonders die Philosophie, der sich Seneca verschrieben hatte, die Stoa. “In Übereinstimmung mit der Natur leben”, secundum naturam vivere, lautete die zentrale Formel der Stoiker. Die Natur(physis) umfasst das gesamte Universum, das von einem göttlichen Prinzip , dem logos, der “Weltvernunft”, durchdrungen ist. Dazu muss man in seinem Tun und Denken nach dem Zustand der apàtheia streben, der inneren Unabhängigkeit und Freiheit, um so die ‘stoische Ruhe’ zu gewinnen. Darin besteht das Glück, die eudaimonìa. Eine realistische Definition dieses von allen Menschen erwünschten Zustands: ändern kann man das Schicksal nicht; man muss es, da es in Verbindung steht mit dem göttlichen Prinzip, bejahen und dazu alle störenden Elemente ausschalten, wie vor allem die Affekte. Zorn, Herrschsucht, Habgier, Neid, Eifersucht, aber auch übermässiger Trauer, Neigung zu Kummer und Schwarzseherei sind Hindernisse auf dem Weg zur Tugend(virtus), zur inneren Vollkommenheit. Die höchste Stufe dieser Tugend kann nur der Weise erreichen, der nach strenger stoischer Auffassung ein Ideal, nach Seneca ein Ausnahmemensch ist. Doch danach streben kann jeder, und er wird merken, dass er dabei freier und auch zufriedener, ja glücklicher wird. Der Mensch, der dieses alles wisse, so Seneca, werde sich also nicht vor den Erschütterungen oder anderen Katastrophen fürchten. Necesse est mori ubicumque, quandoque, “sterben muss man überall oder immer”, was spiele es für eine Rolle, ob das durch einen Sturm oder durch einen Schluck Wasser geschehe, den man in die falsche Kehle bekomme? Das gilt besonders und bis heute für die Schrift ‘Über die Kürze des Lebens – De brevitate vitae”. Sie hat als Adressaten den Schwiegervater Senecas, Paulinus, der das verantwortungsvolle Amt der praefectura annonae, der Getreideversorgung, innehatte. Er erhält den Rat, sich nun, im vorgerückten Alter, ins Privatleben zurückzuziehen und sich einer ehrenvollen Musse zu widmen: otium cum dignitate, wie es sich seit Cicero die im Staat tätigen Römer für ihr Alter wünschten. Aber darüber hinaus entwirft Seneca ein lebendiges Bild vom rechten und falschen Gebrauch der Zeit und ruft alle auf, ihr Leben sinnvoll zu nutzen: Es ist nicht zu kurz, sondern wir machen es kurz, indem wir so viel davon vergeuden. So unterscheidet sich die Lebenszeit, wie wir sie empfinden (die’ gefühlte Zeit’), von der objektiven Anzahl der Jahre. Nachdem Seneca die occupati, die Vielbeschäftigten, und ihre Fehlhaltungen genügend illustriert und kritisiert hat, macht er Vorschläge für eine sinnvolle Musse. Er rät zur Beschäftigung mit Gott und der Welt, mit existenziellen Fragen, die über das alltägliche Leben hinausgehen. Der Blick auf den Kosmos, der ja von göttlichem Geist durchwaltet ist, mit seiner Vielfalt und Gesetzmässigkeit hat Seneca immer angeregt, schon seit seiner Zeit auf Korsika. Er hat sich in einem eigenen Werk, den Naturales quaestiones, den Naturwissenschaftlichen Untersuchungen, mit Naturerscheinungen befasst, gegliedert nach den vier Elementen: Wie entstehen feurige Lichterscheinungen wie Kometen, wie kommt es zu Erdbeben, wie verteilt sich das Wasser auf der Erde? Die Einsichten in das Walten der Natur sind aber jeweils auf den Menschen bezogen; der Blick des Menschen weitet sich, wenn er zum bewundernden Betrachter des Weltalls wird. Er fühlt sich der Lehre der Stoa gemäss als Kosmopolit und lässt die einengende Sicht der occupati hinter sich. So kann er auch dem steten Wechsel im Leben, den Tod eingeschlossen, gefasst gegenübertreten. Die Naturbetrachtung wird zu einer philosphischen Übung. Es ist die gleiche Haltung, die im Jahre 79 der Naturforscher Plinius bei seiner tödlichen Reise über den Golf von Neapel unter Beweis gestellt hat, gespeist aus den Lehren der stoischen Philosophie.

 
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