Pozzuoli ist eine der aufsteigenden Realitaeten der Provinz Neapels, in weniger als 20 Jahren hat sich das Stadtbild komplett geaendert. Die Stadt war voellig vernachlaessigt und wurde selbst von den Neapolitanern vermeidet. Heute haben sich hier im Zentrum und am "Lungomare" viele Bars, Pubs und Restaurants gebildet, die sehr beliebt sind und gerade im Sommer von vielen Bewohnern der Provinz besucht werden. Das Zentrum und die Altstadt wurden voellig renoviert, man kann das unterirdische antike "Rione Terra" nun besichtigen und die Sehenswuerdigkeiten wie das Amphithaeter und der Serapistempel werden endlich gepflegt. Pozzuoli ist noch recht unbekannt, ist aber eine ueberraschende Hafenstadt mitten in den staendig aktiven phlegraeischen Feldern gelegen. Wohl seit 531 v.Chr. war das heutige Pozzuoli Stätte einer Kolonie von Flüchtlingen aus Samos geworden: Dikaiarchaia, der Name bedeutet „Stadt der gerechten Regierung“, im Gegensatz zur Tyrannis des Polykrates auf Samos, der sich die Auswanderer entziehen wollten.Die Kolonie gewann für die Samniten von Cumae, die den Platz besetzten und nun (wieder) Puteoli benannten Bedeutung als Hafenplatz für ihren Hauptort Capua; denn die Mündung des Flusses von Capua, des Volturnus, war als Hafen ungeeignet, da sie andauernd verschlammte. Da sich Rom mit Neapolis im Laufe des ersten Samnitenkrieges auf friedliche Koexistenz geeinigt hatte, baute Rom Dikaiarchia als eigenen Handelshafen aus. Seit 194 v.Chr. Colonia römischer Bürger fanden die Kaufleute des reichen Kampanien hier das Tor zum Meer, insbesondere zum Handel mit den Griechen von Athen und West-Kleinasien. Luxuswaren des Orients, aber auch Papyrus, Leinen, Elfenbein Perlen, Gold und Glas aus Ägypten wurden hier gelandet. Bald wurde die Ankunft der Getreideflotte aus Ägypten zum Ereignis des Jahres. Umgekehrt wurden Wein und Öl, Parfüme und Eisenwaren als Erzeugnisse Kampaniens nach Alexandreia und ins westliche Mittelmeer ausgeführt. Es wurden aber nicht nur Waren umgeschlagen. Pozzuoli war der wichtigste Sklavenmarkt Roms im westlichen Mittelmeer, allerdings war der Sklavenmarkt von Pozzuoli etwas besonderes. Denn hier wurden nicht die normalen Arbeitssklaven, sondern vor allem gebildete Sklaven, solche, die verantwortliche Posten als Hauslehrer, Ausbilder, Verwalter oder Spezialisten übernehmen konnten, Edelsklaven also. Dank Ruinen, Ausgrabungen oder Schriften wissen wir heute von dem städtischen Fleisch- und Fischmarkt (Macellum = Serapeum), der öffentlichen Waage (sacomanium), der Schiffsanlege (ripa Hortensiana), dem Serapistempel und dem Isistempel, einem Theater, zwei Amphitheatern, einer Sportanlage (palaestra), einem Zirkus, dem Forum, den Neptunsthermen, Mausoleen und vom im Dom verbauten Haupttempel. Das großartigste und wichtigste Bauwerk und Wahrzeichen der Stadt war allerdings die enorme 370 meter ins Meer springende Mole, eines der spektakulärsten Werke römischer Ingenieurkunst, die das gesamte Hafenbecken vor dem offenen Meer, von dem gelegentlich ein scharfer Südwind hohe Wellen herantreibt, absicherte. Das jüngere Amphitheater war bei einer Achsenlänge von 149x116 metern nach dem Kolosseum in Rom und dem Amphitheater von Capua das größte im ganzen Imperium. Es bot Platz für fast 40000 Schaulustige. Allgemein wird der Bau des Amphitheaters in flavischer Zeit angesetzt - gleichlautende Inschriften an den 4 Toren der Längs- und Querachsen bestätigen dies: COLONIA FLAVIA AUGUSTA PUTEOLANA PECUNIA SUA: "Die Gemeinde Puteoli, ausgezeichnet vom Kaiser mit dem Titel Colonia Flavia Augusta hat das Bauwerk auf eigene Kosten errichtet." Aus diesem Grund nennt man es heutzutage noch "Anfiteatro Flavio". Die Bürgerschaft demonstrierte mit ihm den immensen Reichtum, über den sie inzwischen verfügen konnte und den ihr vor allem die Hafenanlagen einbrachten. Da die Gladiatorenspiele in Kampanien ihre eigentliche Heimat hatten, bleibt nur offen, ob etwa in Capua schon das Vorbild für das Amphitheater von Puteoli und seine Parallele in Rom gestanden hat. Pozzuoli war aber nicht nur für seinen Hafen, seine Waren und Händler berühmt. Es gibt noch 25 Fumarolenfelder, davon 9 am Kraterboden selbst, die noch bemerkenswert tätig sind. Dabei handelt es sich um die typischen charakteristischen postvulkanischen Erscheinungen der phlegraeischen Felder. Der bekannteste und direkt in Pozzuoli gelegende von ihnen ist davon der Krater Solfatara, der auch besichtigt werden kann und eine heilende Wirkung haben soll.
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